1968 sollte der Amerikaner Spencer Silver einen superstarken Klebstoff entwickeln. Einen Klebstoff, der stärker als alle bekannten Klebstoffe werden sollte. Das Ergebnis war ernüchternd: Eine klebrige Masse, die sich überall auftragen ließ, die aber genauso gut wieder abzulösen war. Eine Dose mit der misslungenen Klebemasse verschwand im Laborschrank der Firma. 6 Jahre später ärgerte sich Arthur Fry, Mitglied eines Kirchenchors und der Kollege Spencer Silvers, darüber, dass ihm seine Lesezeichen im Stehen ständig aus den Notenheften herausfielen.
Er erinnerte sich an die Erfindung seines Kollegen Spencer Silver und holte sich eine Probe des Klebers aus dem Labor. Er trug ihn auf kleine Zettel auf und erprobte seine Erfindung gleich am nächsten Sonntag in der Kirche. Und tatsächlich hafteten seine Lesezeichen zuverlässig, ließen sich aber dennoch wieder leicht lösen, ohne die Notenblätter zu zerstören. Die sogenannten „Post-it‘s“, Haftklebenotizen waren erfunden!
Was mit einer Ernüchterung begann, mündete in einer großen Innovation, die uns tagtäglich begegnet. In Deutschland werden pro Jahr über 5 Millionen Haftnotiz-Blöcke verkauft.
Weihnachten und alles, was wir damit verbinden, sieht oft aus wie eine ganz große Ernüchterung. Stall, Krippe, Hirten, Könige und Weihnachtstrubel lassen wir nach den Feiertagen oft wie untauglichen Klebstoff im Deko-Schrank verschwinden. Dennoch kann sich ereignen, was Art Fry erlebt hat. Es kann sich ereignen, dass wir die innovative Kraft dieses Ereignisses plötzlich erkennen. Ja, in einem anderen Kontext ganz neu erinnern und dessen verändernde Kraft erfahren. Dass wir erkennen, dass sich etwas grundlegend geändert hat: Ein innovativer Gott hat tatsächlich Notiz von uns genommen! Mehr noch: Er hat sich an unseren Alltag geheftet hat, um uns zu erinnern, dass er aus all den kleinen und großen Ernüchterungen Großes machen kann.
Nicht zu vergessen, dass er tatsächlich da ist in Proben und Prüfungen, in Büro und Schule, am Schreib- und Esstisch, auch jenseits von festlichen Gefühlen, nämlich gerade in den langen To-Do-Listen, die wir abarbeiten müssen und den Memos, die wir schmählich übersehen haben.
Vielleicht brauchen Advent und Weihnachten manchmal einen neuen Kontext. Vielleicht müssen wir dieses Fest lernen auf einem anderen Hintergrund zu verstehen, um zu entdecken, wie grundlegend und innovativ es für uns ganz persönlich sein kann.
Mögen sich viele solcher innovativer „Art Fry“-Momente in unserer Gemeinde ereignen.
Editorial für den Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Hegnach