Die Scoville-Skala

Kennen Sie Wilbur Lincoln Scoville? Scoville war amerikanischer Pharmakologe. Und er war es, der 1912 eine Einheit  entwickelt  hat mit der bis heute die Schärfe von Paprikapflanzen gemessen wird. Die Scoville-Skala beschreibt dabei die nötige Menge an Wasser, die es braucht, um die aufgenommene Schärfe zu neutralisieren. Eine herkömmliche Gemüsepaprika bringt es auf  ca. 10 Scoville. Die berühmte Tabascosoße, die in manchem schwäbischer Küche ihren Platz im Gewürzregal ergattert hat, liegt sogar bei erstaunlichen 5.000 Scoville. Achtung, scharf! 

Achtung, nicht leicht bekömmlich. Das müssten wir über diese Worte schreiben. Worte des Amos. Was er auftischt, ist scharf. Gäbe es eine Schärfe-Skala in Sachen Worte, in Sachen Inhalt, Amos läge gewiss ganz weit oben. Was bräuchte es nicht alles um diese Schärfe zu neutralisieren? Der Priester Amzaja, der sich zum Handlanger des Königs Jerobeams gemacht hat, erkennt schnell, dass eine Neutralisierung der Worte des Amos unmöglich ist. Denn es ist letztlich nicht das Wort des Amos, sondern das Wort und Gebot Gottes. Amzaja weiß sich also nur mit einem Redeverbot und der Ausweisung des Amos zu helfen. Er streicht Amos schlichtweg von der „Speisekarte“ Israels. Aber damit kommt er doch nicht zum Ziel. Bis heute lesen wir die zeitlos „scharfe Kost“, die Worte Gottes, die Amos mutig weitergegeben hat.

 

Ist Amos zu entschärfen?

Amos ist es, der uns bis heute die Augen öffnet. Mit seinen Visionen bewahrt er uns vor Illusionen. Bis heute kann die Menschheit Gottes Wort nicht ertragen. Boten, wie Amos sind bis heute nicht willkommen, ja unerträglich. Sie verderben das Geschäft. Sie stören den religiösen Betrieb und sollen doch bitte gehen! Der Priester Amazja ist dabei bis heute schreckliches Beispiel, dass sogar die, die es eigentlich besser wissen könnten und müssten, sich letztlich doch gegen den lebendigen Gott einsetzen.

Das Gericht Gottes ist aber auch heute kein Gerücht. Gott nennt Unrecht bis heute beim Namen und wird so auch am Ende der Zeiten richtend und zurechtbringend ins Weltgeschehen eingreifen (vgl. Mt 28).

Deshalb gilt auch bis heute: Gott sucht Menschen, wie Amos.

Menschen, die beten wie Amos. Er will Fürbitte, leidenschaftliches Ringen, um die Mitmenschen und deren Weg mit Gott. Gott sucht Zeugen, wie Amos, die weitergeben, was er gesagt hat und nicht weitergeben, was sie selbst für richtig halten (vgl. Gal 1,10). Amos lässt sich berufen. Wo der lebendige Gott für tot erklärt wird, braucht es Menschen, die gerade dort die Realität Gottes bezeugen (vgl. 2. Kor 5, 20). Gott sucht Boten, wie Amos, die bereit sind in Treue auch die Konsequenzen dieses unbequemen Dienstes zu tragen (vgl. Apg 4,29).

Fast zeitlos exemplarisch für den Dienst der treuen Zeugen Gottes leuchtet hier der Dienst des Amos auf und bringt uns in Verbindung mit den bewegenden  Lebensgeschichten, der von Gott autorisierten und bevollmächtigten Zeugen der Kirchengeschichte (vgl. 1. Tim 4,2). So wie beispielsweise der Geschichte von Corrie ten Boom, die sagen konnte: „Doch niemand kann zwei Herren dienen. Es ist ein großer Trost zu wissen, dass Gott seinen Kindern seinen Plan mit dieser Welt gezeigt hat. Und es ist ein großer Trost diesen Plan zu kennen. Er hat keine Probleme! Er hat Pläne! Darum gibt es im Himmel nie eine Panik.“

 

Für das Api-Magazin „Gemeinschaft“ 2021

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