Durch tiefe Wasser

Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein. Jesaja 43,3

Sie war immer da. Viele nannten sie einfach nur „Sonne“: Maja Einstein. 
Eine strahlende Sonne für ihren älteren Bruder Albert Einstein, den hochintelligenten Physiker. Maja war für ihn die gute Seele an seiner Seite. Maja Einstein folgte ihrem Bruder sogar nach Princeton, um ihm auch dort den Rücken für seine umwälzenden Forschungsarbeiten freizuhalten.
Und dann kam für sie das Schicksalsjahr 1946. Maja Einstein erlitt einen schweren Schlaganfall und war fortan zu nichts mehr in der Lage. Maja Einstein benötigte Pflege. Und was tat jetzt der große, schwerbeschäftigte Physiker? Von diesem Tag an verbrachte Albert Einstein jeden Abend zwei Stunden damit, seiner Schwester einfach nur vorzulesen. Als seine Schwester am 25. Juni 1951 starb, notierte Albert Einstein: „In den letzten Jahren habe ich ihr jeden Abend aus den feinsten Büchern der alten und neuen Literatur vorgelesen.“ „Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein.“ Manchmal nehmen uns Leiden so in Beschlag, dass es den Anschein hat, ihnen ganz zu gehören, ja dem Schmerz und der Verzweiflung völlig ausgeliefert zu sein. Man ist nicht mehr man selbst, man gehört ganz dem Schmerz. Was dann? Dann hören wir nicht nur ein literarisches Kabinett, sondern unendlich viel mehr. Dann tritt der geniale Schöpfer des Universums an unsere Seite. Dann spricht der, der die Gesetze der Physik nicht nur erforscht, sondern überhaupt erst in Kraft gesetzt hat. Dann hören wir die Worte dessen, der die Gesetze der Physik nicht nur in Formeln fassen, sondern komplett außer Kraft setzen kann. Ja, so spricht er und so handelt er. Der Herr. Für uns. Heute. Und dafür ist die Geschichte von den Geschwistern Maja und Albert Einstein nur ein schwaches Bild: Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein.

Für die „Kleine Kanzel“ in idea-Spektrum April 2025

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