Am 16. November 1938 ergriff der Oberlenniger Pfarrer Julius von Jan entschieden Partei für die in Deutschland lebenden Juden. Diese waren kurz zuvor in den Novemberprogromen offen angegriffen worden. In seiner Predigt am Buß- und Bettag nahm er kein Blatt vor den Mund: „Wir als Christen sehen, wie dieses Unrecht unser Volk vor Gott belastet und seine Strafen über Deutschland herbeiziehen muß. Denn es steht geschrieben: ‚Irret Euch nicht! Gott läßt seiner nicht spotten.‘“ Wenig später wurde er von SA-Männern abgeholt. In aller Öffentlichkeit wurde er brutal misshandelt und eingesperrt.
Am heutigen Samstag jährt sich seine Predigt zum 75. Mal. Was bleibt? Es bleibt die Trauer über die dunkelste Epoche der deutschen Geschichte. Es bleibt der Lichtblick auf einen unglaublich mutigen, christlichen Bekenner, der bis heute zum Vorbild dienen kann. Es bleibt unsere alle Generationen übergreifende Verantwortung für das jüdische Volk, wie sie von Jan erkannt und bedingungslos verteidigt hat. Israel ist und bleibt das von Gott auserwählte Volk.
Gott segne Israel! Gott segne die Juden! „Wünschet Jerusalem Glück! Es möge wohl gehen denen, die dich lieben! Es möge Friede sein in deinen Mauern und Glück in deinen Palästen.“ (Psalm 122)
Für die Südwestpresse im November 2013