Die Müdigkeit hat eine fast unaufhaltsame Kraft. In vielen Lebenssituationen stehen wir den enormen Kräften der Müdigkeit gegenüber.
Da ist der Autolenker, der nur noch nach Hause will, aber die Augenlieder sind tonnenschwer. Da ist der Schüler, der nach einem vollen Wochenende in der ersten Stunde neben der warmen Heizung fast vom Stuhl kippt. Da ist der Schichtarbeiter, der an der Belastungsgrenze ein Müdigkeitstief in der Mitte der Nachtschicht fast nicht übersteht.
In solchen Situationen sind wir von der Müdigkeit übermannt oder überrollt, der Schlaf holt uns geradezu ein, die Augen fallen uns zu, obwohl wir uns doch in einer Situation befinden, in der wir gerade nicht schlafen sollen und auch nicht wollen. Und nicht selten hat dieser Schlaf unangenehme Folgen. Der „Sekundenschlaf“ am Steuer kann einem sogar das Leben kosten.
Auch der Schlaf dieser jungen Frauen, die eigentlich unbedingt beim großen Fest dabei sein wollten, war folgenschwer. Weil sich der Beginn des Festes durch die Verspätung des Bräutigams beträchtlich verzögerte, wurden sie müde und schliefen ein. Ihr Schlaf verhinderte schließlich die ausreichende Vorbereitung auf das große Hochzeitsfest. Als der Bräutigam endlich kam und das Fest begann, waren die für das Fest notwendigen Lampen ohne Öl. Der anberaumte ‚Blitz-Einkauf‘ schlug fehl und am Ende standen sie vor verschlossenen Türen.
Jesus, der diese dramatische Geschichte auf seine überraschende Wiederkunft hin erzählt, schließt sie mit folgenden Worten ab: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.“ (Matthäus 25,13)
Wie unser Alltag kennt auch der Weg des Glaubens in gleicher Weise heftige Ermüdungserscheinungen. Die Kräfte, die unseren Glauben ermüden, können enorm sein. Es kann passieren, dass unser Glaube komplett einschläft und unser Glaubenslauf vollends zum Erliegen kommt. Dieser Gefahr begegnet die Bibel mit starken Aufforderung „Seid also wachsam!“ Bleibt wach, schlaft nicht ein, lasst euch nicht einlullen, nicht einschläfern und schon gar nicht verschaukeln. Bleibt ganz wach und fokussiert, bleibt voller gespannter Erwartung, auch wenn der Weg weit und die Kraft klein ist. Jesus kommt!
Gerade die Adventszeit ist so ein „Rippenstoß“ für alle, die müde geworden sind. Die Adventszeit will uns aufwecken. Sie will uns Herz und Augen zu öffnen für den Herrn, der kommen wird „zu richten die Lebenden und die Toten“.
Gerade, wenn wir müde werden, brauchen wir einander. Gerade jetzt, in diesen schwierigen Zeiten, wollen wir einander helfen hellwach zu bleiben, ja in gespannter und fröhlicher Erwartung unseres Herrn Jesus Christus.
Editorial für den Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Hegnach