Liebe Leserinnen und Leser,
bei Freunden des Computerspiels liegen aktuell sogenannte „Escape Games“ voll im Trend. Der Spieler befindet sich in einem virtuellen Raum, der mindestens eine verschlossene Türe besitzt. In diesem Raum befinden sich jedoch Gegenstände, sowie versteckte Lösungshinweise. Und dann gibt es nur eine Frage und ein Ziel:
Wie komme ich hier wieder heraus? Wie kann ich den Ort, an dem ich gefangen bin, verlassen? Geduld, Ausdauer und Geschicklichkeit sind gefragt.
Es ist ziemlich verrückt, aber wahr: Neben Computerspielen gibt es „Escapes Games“ sogar in der Realität. Kleine Personengruppen werden tatsächlich in einen Raum eingesperrt und müssen versuchen ihr Gefängnis innerhalb einer vorgegebenen Zeit wieder verlassen.
Was in ein Spiel verpackt ist, gleicht doch eigenartig oft unserer realen Alltagswelt. Seltsam, aber immer wieder stellen wir diese Fragen: Wie kommen wir da wieder heraus? Wie können wir den Ort der „Gefangenschaft“ verlassen? Wo ist der „Schlüssel“ für die „Lösung“? Wie können wir die „verschlossene Tür“ durchbrechen? Wie können wir aus Räumen der Verlassenheit, Einsamkeit und Verzweiflung ausbrechen?
Hand aufs Herz: Wo ist das „Escape Game“ Realität geworden? Wo sind wir nicht nur Spieler eines virtuellen Spiels, sondern befinden uns mitten im Alltag unserer realen Welt!
Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, wie wir auf Schritt und Tritt alle Fragen unserer Wirklichkeit in der Bibel wiederentdecken können.
Ich denke daran, wie sich Adam und Eva in den Raum jenseits des Paradieses katapultierten, wie sich der „Freiheitskämpfer“ Mose zunächst selbst zum Gefangenen wird, wie Josua zuerst total in Angst gefangen ist, wie sich Elia verzweifelt unter dem Wacholderstrauch verbarrikadiert, wie Jona im Bauch des Fisches eingeschlossen ist, wie schließlich ein ganzes Volk an den Flüssen Babylons nur noch weinen kann…
Aber nirgendwo und an keiner Stelle bleibt es dabei:
Plötzlich werden Worte der Freiheit gesprochen und gehört. Plötzlich treten Ereignisse ein, mit denen keiner gerechnet hatte, auf einmal tritt im Leben dieser Menschen die unerwartete Wende ein. Ja, es geschieht: Aus dem „Lock-down“ wird ein „Look up“, ein Aufsehen zum Gott der Freiheit, zum Gott aller Möglichkeiten, zu dem, der ein Leben in Freiheit und Würde, in Liebe und Hoffnung mit belastbaren Lebensperspektiven eröffnen kann und will.
Und das Beste: Es lag oftmals nicht einmal an ihrer eigenen Geschicklichkeit oder Ausdauer, sondern allein am Eingreifen dieses unübersehbar, starken Gottes. Diesen Ereignissen sollten wir unbedingt nachspüren. Aber nicht nur das, wir sind eingeladen ganz neu zu vertrauen auf den Gott der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten!
Editorial für den Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Hegnach