Fadenscheinige Angelegenheit?

Mit Schrecken denke ich an eine mündliche Prüfung zurück: Alles begann vielversprechend, aber gegen Ende hatte ich plötzlich den Faden verloren. Ein Alptraum. Die Fragen des Prüfers hörte ich, aber in meinem Kopf war nur noch ein gedankliches Fadengewirr in dem ich mich verheddert hatte. Zum Glück war auch diese Prüfung irgendwann vorbei!

Eine schwere Frage, eine Störung, ein Zwischenruf reicht und der Faden den man eben noch aufnehmen wollte, ist plötzlich weg. Eine misslungene Klassenarbeit, der Stress eines Arbeitstages, eine harte Woche genügt um schlichtweg „von der Rolle“ zu sein.

Ich liebe den roten Faden! Der rote Faden, der sich durch alles durchzieht und an dem man entlanggehen kann. Der rote Faden als hilfreicher Leitfaden. Am allermeisten liebe ich den roten Faden der Bibel. Wer die Bibel zur Hand nimmt, entdeckt: Jesus Christus ist Anfang, Mitte und Ziel der Schrift. Christus ist der rote Faden, der Leitfaden. Nicht entnommen aus dem Nähkästchen gut gemeinter Ratschläge für die eigene Flickschusterei, sondern entnommen aus der Geschichte Gottes mit dem Menschen und unter realen Alltagsbedingungen erprobt. Christus, ganz bestimmt nicht der feine Zwirn für die weiße Weste der Selbstgerechtigkeit. Auch nicht das Garn für ein hübsches, religiöses Denkmäntelchen, das immer ins Bild der Zeit passt. Christus ist Leit- und Kennfaden für ein ganzes Leben. Kennfaden in einer Zeit des religiösen Durcheinanders. Leitfaden für schwere Fragen, heftige Prüfungen und harte Tage. Um Jesus Christus den reißfesten Lebensfaden kann ich alles legen: Gelingen und Misslingen, Freude und Trauer, Hochs und Tiefs. An ihm kann ich entlanggehen ohne in einem verwirrenden Chaos zu enden. Gott hat tatsächlich einen großen Wunsch: Er will diesen Faden einfädeln in ein Menschenleben! Wo das geschieht, beginnt Glaube und der ist alles andere als eine fadenscheinige Angelegenheit!

 

Angedacht für die Südwestpresse 2011

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