So oft geht’s um den richtigen Platz! Um einen Platz an der Sonne, um einen Platz im Kindergarten, um einen Platz an der besten Schule der Stadt, um einen Platz im Verein, um einen Platz im Team, das auflaufen darf. Wer einen guten Platz sicher hat, dem kann man wirklich gratulieren!
Mit den neuen Konfirmandengruppe haben wir aus diesem Grund ein „Stühle-Projekt“ gestartet. Alle machten sich auf die Suche nach ihrem persönlichen Stuhl. Die Konfis stöberten auf dem Speicher, im Keller, in der Garage, bei Opa und Oma, bei Onkels und Tanten oder im Möbel-Discount und wurden fündig: So liefen die Konfirmanden beim Begrüßungsgottesdienst mit ihrem persönlichen Stuhl in die Pauluskirche ein.
Dieser Stuhl soll „Platzhalter“ sein für die Frage: Wo ist mein Platz? Wo ist mein Platz in dieser Kirche und dieser Gemeinde vor Ort? Gibt es einen Platz für meine Fragen? Meine Anliegen? Gibt es einen Platz für meine Zweifel, meinen Musik-Geschmack und eben auch für mich ganz persönlich?
Wir möchten uns durch diese Fragen als Gemeinde herausfordern lassen. Wir möchten uns herausfordern lassen als Kirche ein Ort zu sein und zu werden, wo Menschen ihren Platz finden. Wir wollen im besten Sinne Platz machen um neu nachzudenken: Wie können wir diese wichtige Suche begleiten und fördern?
Wir wollen uns dabei leiten und begleiten lassen von atemberaubenden „Platz-Geschichten“ der Bibel: Zum Beispiel der Geschichte von diesem Baby, das gerade mal noch einen Platz in der Futtergrippe bekam und schon wenige Jahre später dort Platz nahm, wo niemand ihn vermutet hätte: In der Expertenrunde im Jerusalemer Tempel. Auf die Frage, warum ausgerechnet dort im Tempel sein Platz sei, sagte der junge Teenager aus Nazareth nur: „Habt ihr denn nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?“
Wir wollen auch einmal überlegen, ob unsere Suche nach dem richtigen Platz mit dem Platz bei Gott etwas zu tun haben könnte. Ob sich die Suche nach dem richtigen Platz verändert, wo wir die Suche einmal ganz anders anfangen: Wo wir uns zunächst einmal auf die Suche machen nach dem Platz in der Nähe Gottes. Könnte es sein, dass sich Fragen: Wo ist mein Platz? verändert, weil ich ja einen Platz schon einnehmen durfte – den Platz bei Gott?
Editorial für den Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Hegnach