Nutella für die Seele

Nüsse, Zucker und Kuvertüre. Was eigentlich als Füllung für edle Pralinen gedacht war, hatte Pietro Ferrero aus dem italienischen Piemont in seiner Konditorei plötzlich als Brotaufstrich vor Augen. Es blieb nicht nur bei einer Vision. 1940 war die Nuss-Nugat-Creme vom findigen italienischen Konditor tatsächlich entwickelt und schon bald in aller Munde.
Heute verkauft Ferrero jährlich 250.000 Tonnen Nutella in weltweit 75 Ländern. Viele können sich ein Frühstück ohne Nutella gar nicht mehr vorstellen. Nutella schmeckt nicht nur gut. Nutella tut gut.

Nach den nicht enden wollenden pandemischen Zerreißproben, nach Infektionswellen und Testreihen, nach Mundschutz-Pflicht und Abstands-Gebot blieb die Seele vielfach geschunden zurück. Es fehlte eben das, was der Seele gut tut: Feste und Feiern, Singen und Musizieren, der Handschlag und die Umarmung, das Treffen in größerer Runde, Ausgelassenheit und Unbekümmertheit. Alles, das ist manchmal wie Nutella für die Seele. Es ist das, was eben ganz wesentlich zu unserem Leben auf dieser Welt gehört. Das, was uns gut tut, was uns aufleben lässt, was uns Widrigkeiten des Lebens ertragen und die Sorgen einmal vergessen lässt. Wer könnte von sich sagen, er habe das nicht nötig?
Der Schriftsteller C.S. Lewis hat das in Bezug auf die menschliche Seele einmal so formuliert:

„Unsere Seele ist eine Hohlform zu der letztlich nur Gott selbst in seiner Herrlichkeit passt. Das ist die Signatur unserer Seele, dass sie davon weiß, dass nur Gott ihre Sehnsucht stillen kann.“  

Ich bin überzeugt, dass es auch hier nicht nur um eine Vision geht, sondern um ein sehr feines Lebenskonzept. Da geht es um eine Seele, die sich Gott gefallen lässt. Da geht es um einen Menschen, der sich Gottes Gaben schenken lässt. Und da geht es ja um weit mehr als um etwas Zucker, Nüsse und Kuvertüre. Da geht es um den Schöpfer, der seine Herrlichkeit in Jesus Christus tatsächlich erlebbar macht. Da geht es um echtes Glück und tiefe Erfüllung, um göttliche Geborgenheit in verrückten Zeiten, um Zukunftsaussichten, wo kleine und große Welten am Abgrund stehen…

Wenn wir das schmecken und sehen, dann ist es mehr als zweitrangig, was uns manchmal so alles aufs Butterbrot geschmiert wird. Denn dann ist die allerfeinste, schmackhafteste, ja göttliche Grundlage schon gelegt und es gilt auch hier, was gut informierte Nutella-Fans schon wissen: „Aus leer mach mehr…“

Editorial für den Gemeindebrief der Evangelischen Kirchengemeinde Hegnach

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